(Die Vortsetzung von "Die Arena...")
Die Kälte, sie ist unerträglich.
Es ist ein fast eigenartiges Gefühl, zum Einen hat es etwas unheilvoll schockierendes an sich die Kontrolle über etwas zu verlieren von dem man glaubte es ist ganz und gar DEIN und eine Beherrschung gar nicht mehr notwendig; zum Anderen spüre ich wie diese Ruhe eintritt, jene Ruhe der du die Hand reichst, dich an sie schmiegst in der Gewissheit, dass das Leben welches du kanntest im nächsten Augenblick vorbei ist.
Kein verzweifeltes nach Luft ringen mehr, kein japsen, kein sich sträuben... annhemen, das was kommt.
In meinem Fall ist es der Tod.
Der Tod meiner Selbst, meines Wesens, meines Ichs...
Die Kälte kriecht weiter, die Schatten, sie zerren und reißen an mir.
Sie durchdringen meine Haut, durchwandern meine Blutbahnen, meine Organe, stülpen sich über sie, sie dringen ein in meine Knochen, bohren sich in meine Gedankenwelt, breiten sich aus in meiner Seelenlandschaft, fressen sie auf... bis völlige Dunkelheit alles ist was noch fehlt.
Elune? Geliebte Elune... bist du hier?
Das Gift hat mich schwach gemacht, geistlos... viel mehr als eine sabbernde Hülle aus Fleisch war ich nicht mehr. Die Schatten müssen gespürt haben dass da niemand mehr ist der sie halten kann.
Elune... steh mir bei. Im Leben war ich nie ganz dein, im Tode biete ich mich dir an, mit allem was ich bin, was noch von mir übrig ist. Nimm mich zu dir, schliess mich in deine Arme, erette deine Dienerin...
Stimmen, die ich höre.
Die wagen Umrisse bekannter Gesichter.
Das Aufblitzen eines Dolches.
Sie töten mich!
Sie töten mich!
Ein rasender Schmerz, ein Aufschrei - nicht der meine.
Und nun? Ich bin völlig ruhig, ich lasse mich von den Schatten davon tragen, ich ergebe mich ihnen.
Nauriel saß schweigend und starr vor dem Feuer.
Mavina war die Einzige im Raum die sich durch ständiges auf und ab gehen bemerkbar machte, immer wieder warf sie einen düsteren Blick auf den Tisch der in der Mitte des Raumes aufgestellt worden war.
Alt aussehende Bücher, einige wenige Schriftrollen und ein in rotes Samt geschnürtes Paket lagen auf der Tischoberfläche.
Kaey saß ganz in der Nähe von Nauriel, hatte seine Stirn in tiefe Falten gelegt und konzentrierte sich auf das Stopfen seiner schmucklosen, aus schwarzem Horn gefertigten Pfeife.
Angua stand mit ruhelosen Augen nahe an einem Fenster, ehe sie es aufriß und einen tiefen Atemzug frischen Sauerstoffs in ihre Lungen sog. Atranas blickte sie besorgt an, rührte sich jedoch nicht von der Stelle und auch er sagte kein Wort.
Dalarus hingegen erhob sich energisch. Mit zwei raschen Schritten hatte er den Tisch erreicht, zog das samtene Paket mit einer harschen Handbewegung auf. Drei Dolche kamen zum Vorschein, ungewöhnlich in ihrer Beschaffenheit.
Mavina wendete sofort ihren Blick ab, Angua starrte Dalarus erschrocken an.
"Verdammt nochmal!" rief Dalarus ungehalten, ließ seine Faust mit voller Wucht auf den Tisch niedersausen sodass er ächzte und fixierte jeden Anwesenden für einen Augenblick.
"Ihr WISST was zu tun ist! Tut es endlich! Wollt ihr sie noch ewig dahindämmern lassen!?"
Nauriel erhob sich langsam und murmelte fast unverständlich:"Stirbt sie, hat sie es hinter sich, stirbt sie nicht... haben wir eine Chance..."
"So weit waren wir vor 2 Stunden auch schon." sagte Kaey immer noch mit seiner Pfeife beschäftigt und blickte Mavina an. "Du bist es die weiß wo ein Dolchstoß tödlich ist. Wo er nicht tödlich ist wirst du also auch wissen..." er zeigte mit dem Kinn in Richtung der Dolche. "Aye?"
Mavina schloss kurz die Augen und knirschte mit den Zähnen. "Na Großartig..." flüsterte sie.
