Die Arena oder der Fall einer Priesterin

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Icari
Gildenleitung A.D.
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Die Arena oder der Fall einer Priesterin

Beitrag von Icari »

Der Sand unter ihren Füßen knirschte. Die Sonne brannte unerbittlich auf sie herab. Blinzelnd warf sie Mondtraum einen Blick zu, die Elfe nickte ihr sachte zu ehe ihre Konturen verschwammen, sich ihr Gesicht seltsam verzerrte und wie durch ein Wunder aus der anmutigen Gestalt der Frau eine zottelige, grimmig aussehende Bärin geworden war.
Icari hatte dieser Verwandlung schon oft beigewohnt, doch es war immer wieder ein Spektakel die Fähigkeiten der Druiden zu sehen.
Icari umfasste den Stab in ihrer rechten Hand fester und schloss die Augen, sie liess den Kopf sinken und hob ruckartig ihre Hände, im selben Augenblick brachen die Schatten aus ihrem Innersten hervor und umschlangen den gesamten Körper, ihre Augen glühten dunkel.
Das Rolltor vor ihnen wurde hochgezogen, Ketten rasselten, das hämische, dumpfe Grinsen des Ogers der die Ketten bediente ließ Icari schaudern.
In was waren sie hier nur hineingeraten? Ein Schaukampf… als wären sie gewöhnliche Gladiatoren, welche der Belustigung der Menge dienten. Icari schüttelte entnervt den Kopf und folgte der Bärin die bereits vorwärts geprescht war.
Es waren keine Gegner zu sehen… Auf dem Sand waren überall Blutspuren zu sehen… Icari stockte.
„Mondtraum…“ zischte sie gehetzt. „Das ist kein Schaukampf… das ist eine Falle!“
Die Bärin knurrte bedrohlich , stellte sich auf die Hinterbeine und erhob sich zu ihrer vollen Größe ehe sie sich donnernd wieder auf alle Viere niederliess und die Pranken tief in den Sand grub. Icari drehte ihren Stab und streckte ihn weit von ihrem Körper weg, nahm eine kampfbereite Stellung ein, schloss die Augen und wartete.

Der Wind hatte gedreht, ein fauliger Geruch lag in der Luft. Mondtraum hatte ihn schon lange gewittert, ihre Nackenhaare sträubten sich. Icari hielt ihre Augen weiterhin geschlossen, die Sonne war dank der Schatten die sie völlig umhüllt hatten kein Hindernis mehr, ihre Haut war kühl und kribbelte voller Energie. Große Kranichartige Vögel flogen über die Arena hinweg und zirpten in einer noch nie gehörten Tonlage.
Der Geruch war stärker geworden und nun war sich Icari sicher. „Untotes Fleisch…“ flüsterte sie kaum hörbar.

Der Untote war beinahe bei der Priesterin angekommen, nur noch wenige Schritte trennten ihn von ihrem zarten Hals, er grinste mordlustig und wickelte das blutverschmierte kurze Seil zwischen seine fauligen Hände. Mit einer raschen Bewegung legte er das Seil um ihren Hals und riß sie an sich, unerbittlich drückte er ihre Kehle zu.
Icari röchelte und liess ihren Stab immer wieder auf die Seite des Untoten niederkrachen, seine Knochen knackten hörbar, sein Griff jedoch lockerte sich nicht. Mondtraum brüllte und versetzt dem Untoten einen Prankenhieb mitten ins Gesicht, sodass der Kiefer komplett fortgerissen wurde. Ein grauenvoller Schrei, gepaart mit Flüchen in einer anderen, verzerrt klingenden Sprache durchdrang die Luft.
Icari fiel nach Atem ringend zu Boden und umfasste zitternd ihren Hals, eine gelblich schimmernde Katze wurde sichtbar und sprang auf sie zu. Mit einem Keuchen drehte sich Icari zur Seite und stiess einen ohrenbetäubenden Schrei aus der sich in den Gedanken der Gegner festsetzte und sie wirr und orientierungslos werden liess. Doch die Zeit drängte…
Benommen legte sie erneut ein Schutzschild um sich und schmetterte wilde, beinahe ungezügelte Zauber auf die erneut herannahende Katze. Mondtraum versetzte der Katze immer wieder schmerzhafte Stösse und Hiebe, riß mit seinen Pranken ihr Fell auf und schmetterte sie zu Boden. Doch das Tier liess nicht von der Priesterin ab, so als wäre ihr Tod alles was zählte.
Der Untote hatte sich wieder aufgerappelt, ein grünlich glänzender Dolch blitzte auf und dann … Stille.

Leises Gemurmel war zu hören… weit entfernt hörte sie ihren Namen rufen. Hände die sie packten, Wind der durch ihre Haare strich. Sie spürte keinen Schmerz, die Schatten betteten sie weich, die Dunkelheit nahm sie mit sich und sie folgte ihr gerne.

Ein kaltes Tuch auf der Stirn, pochende Schmerzen in der Brust, flackerndes Kerzenlicht, eigenartige schwere Gerüche… Sie versuchte sich aufzusetzen und stöhnte auf, schmerzverzerrt ließ sie sich wieder auf das Lager sinken. Neben ihr raschelte es, Mavina beugte sich über sie und beäugte sie kritisch. Die Augen der Menschenfrau leuchteten auf, sie wandte sich ab und rief mit lauter, wohlklingender Stimme: „Sie ist wach und sie scheint klar zu sein!“
Es wurden noch ein paar mehr Kerzen entzündet, die Vorhänge waren zugezogen, es schien mitten in der Nacht zu sein. „Lasst mich den Mond sehen…“ flüsterte Icari ehe ihr die Stimme versagte. Eine hochgewachsene Gestalt zog die Vorhänge beiseite, das Mondlicht tauchte den Raum in ein ganz anderes Licht.
Mavina besah Icari ernst. „Du hast eine lange Zeit geschlafen.“
Icari versuchte ein Lächeln. „Ich lebe…“
Mavina lachte erheitert auf. „Oh ja, Mondtraum hat eure Gegner förmlich in der Luft zerfetzt, als sie sah dass du gefallen warst.“
Icari schloss noch immer lächelnd müde die Augen.
„Geht es der alten Bärin gut?“ „Ja. Sie ist wohlauf.“
Langsam öffente sie die Augen wieder und betrachtete die Tiegel, Kräuterschalen und das Räucherwerk.
„Werde ich wieder genesen?“
„Ich bin Kommandant, kein Arzt oder Heiler.“ erwiederte Mavina ausweichend.
Icaris Blick fiel erneut auf die hoch gewachsene Gestalt in den Schatten und erkannte Talia in ihr. „Talia?“
Die Elfe in den Gewändern einer Hohepriesterin Elunes trat anmutig an ihr Lager und schüttelte sachte den Kopf. Sie sah ihr fest in die Augen und sprach mit leiser Stimme.
„Der Dolch der deine Brust durchbohrte war vergiftet, das Gift ist uns unbekannt, es kreist in deiner Blutbahn, es ist unmöglich es zu sondieren. Es wird dich nicht töten, aber es wird dich nicht zu Kräften kommen lassen.“ Talia hielt inne. „Wir wissen nicht wie wir dir helfen sollen.“
Icari schluckte schweigend und nickte dann. Eingehend musterte sie Mavina und legte dann eine Hand auf ihren Unterarm.
„Du bist ein Mensch, aber ich vertraue dir wie keinem anderen Wesen auf dieser und der Welt der Scherben. Du hattest unrecht, du bist kein Arzt, kein Heiler, aber auch kein Kommandant. Du bist der Leiter unseres Regiments. Führe sie in den Frieden und tötet alles was sich euch entgegenstellt.“
Icari hustete, schloss die Augen, die Schatten umspielten sie sanft, der Schlaf war wieder über sie gekommen.
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