Stille, Sturm und die Dunkelheit

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Mavina
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Stille, Sturm und die Dunkelheit

Beitrag von Mavina »

Irgendwann, in ferner oder naher Zukunft, ferner oder naher Vergangenheit

Stille...

Abwarten… das tun die Hohen Edlen der Menschen von Sturwind die sich in Burg Sturmwind versammelt. Alle sind in dem großen staubigen Raum versammelt, der schon so viele für das Schicksal Sturmwinds entscheidenden Beschlüsse erlebt hat. Die Verbindungen mit der Außenwelt sind unterbrochen, von den Diplomaten nichts Neues. Kundschafter und Späher verzagen bei ihren Versuchen Informationen vor den Mauern einzuholen. Die Stimmung ist gespannt, Funken von Hoffnung mischt sich in die Zwiegespräche der Edlen, doch wo ist Hoffnung wenn das Herz verzagt?

Auf dem schweren Holztisch in der Mitte des Raumes liegt das letzte Schreiben das die Stadt erreicht hat, das Ultimatum der Feinde, zur 23ten Stunde des Tages läuft es aus, keine Nachricht der Verbündeten in Sicht. Ich, einer der Edlen, ungenannt, denn Namen sind für Grabsteine, nicht für die Lebenden von Nöten in dieser Zeit, überfliege die wenigen Worte des Ultimatums noch mal, schüttle bei den Zeilen den Kopf, meine Hände zittern und der Körper wirkt schwach und träge…

Edle von Sturmwind,

Zur 23ten Stunde dieses Tages fordern wir die Übergabe des Schlüssels zur Stadt, diese Bedingungen sind nicht verhandelbar, wendet Leid und Tod von den Bewohner eurer Stadt ab und akzeptiert.


Grübelnd blickt ich in das Licht einer Kerze, grübelnd… „keine Unterschrift, wer befehligt die Horden die Goldhain besetzt haben, die vor den Toren der Stadt stehen, die die Tiefenbahn zum Einsturz bringen konnten… Dämonen? Hinterlistige Menschen? Untote? Ehemalige Freunde? … keine Antwort findet sich in meinen Gedanken“

Sie sitzen da, als hielten sie Totenwache. Der Raum liegt im Halbdunkel, weil nur einige der Lampen brennen. Der Lärm der Menge dringt herein, eine gewaltige Menschenmasse, die auch wartet, kompakt zusammengedrängt vor den Toren der Burg. Manchmal hört man wie sie draußen Lieder vergessener Schlachten singen.

Als die Stunde heranrückt, ist der Raum in eine Stimmung erregter, tiefer Nachdenklichkeit getaucht. Niemand spricht ein Wort. Es ist, als warte man auf das Signal, das Menschen in ihr tödliches Los schleudern soll, und die Chance wurde immer geringer, dass das Übel noch mal vorüberziehen würde.

Die schwere Eichentür wird geöffnet und der König tritt ein, die Edlen erheben sich, grüßen und entbieten ihre Ehrfurcht vor dem Herrscher des Königsreichs, klein, doch mächtig ist es noch. Seehain ging verloren, Dunkelhain auch, die Weiden Westfalls dienten nun dem Feind als Aufmarschgebiet. Sturmwind jedoch stand… der Feind? Verdeckt und im Dunkel kam er, niemand der sich im gestellt hat überlebte das Massaker, sie machen keine Gefangenen, noch kennen sie Gnade, dicht verschleiert und unnahbar, und wird doch mal einer von ihnen niedergestreckt von flinkem Schwert oder gezieltem Pfeil so wird er sogleich geborgen von den Seinen… Goldhain… und jetzt Sturmwind, an den Toren steht er…

Der König setzt sich auf seinen Thron, die 23te Stunde naht, bedächtig beginnt er zu sprechen… „Edle von Sturmwind, Waffenbrüder, Gefolgsleute, eurem Urteil werde ich mich heute beugen, denn so eine Entscheidung kann nicht von einem Mann alleine getroffen werden, sei er auch König…“

Beängstigende Stille breitet sich aus…

„Die Optionen liegen klar vor uns, es gibt keine Alternativen die wir nicht bedacht haben, Kampf oder Unterwerfung… der Feind ist uns verborgen, wir wissen nicht mit wem wir es zu tun haben, schwere Verluste mussten wir hinnehmen, wir verloren Söhne und Töchter, Brüder und Schwester, Väter und Mütter von Sturmwind auf den blutigen Feldern im Rotkammgebirge und im Dämmerwald… und ich werde nicht, um keinen Preis, ihr Opfer vergessen, es gibt keinen Frieden, keine Kapitulation vor dem Feind, doch darf ich mein Schicksal und meinen Willen nicht allen Bürgern der Stadt aufzwängen… Ich werde kämpfen, und sei es alleine vor den Toren, und die Stadt mit der Waffe in der Hand beschützen, bis das Blut meinen Körper verlässt und meine Hand schwer wird…“

In diesem Moment erhebt sich der König, stark und prächtig in seiner Rüstung, zieht sein Schwert und richtet es gegen die Decke…

„Wer bereit ist an meiner Seite zu kämpfen, und vermutlich zu sterben, der erhebe sein Schwert mit mir, und schwört den Eid, es erst niederzulegen wenn es aus seinen toten Händen fällt oder in der Brust des Feindes steckt…“

Ohne Zögern, von Mut und Zuversicht erfasst, ziehen die Edlen, und ich unter ihnen, ihre Schwerter und es erschallt im Raum der Hochruf auf den König und das Königreich, und nur kurze Momente später erschallt der Ruf auch in den Straßen von Sturmwind und jeder wehrfähige Mann, jede wehrfähige Frau greift zu den Waffen…

Die 23te Stunde rückt näher, und die Antwort an den Feind soll klar sein, unmissverständlich… Die dumpfen Glocken der Kathedrale tönen durch die Nacht und schlugen die schicksalsschwere Stunde. Jetzt herrscht völlige angstvolle Stille im Raum, die Tragweite der Entscheidung wird einem jeden bewußt, alle Gesichter schienen sich im starken Schmerz zusammenzuziehen. Die Antwort des Königs auf das Ultimatum wurde zu den Stadtmauern gebracht… Gleichmäßig erklingt die Glocke… Bäng, Bäng, Bäng… der letzte Schlag der elften Stunde des Abends hallt in den Ohren… In einem Katapult werden die Schätze Sturmwinds dem Feind zu Füßen geworfen, die Fanfaren ertönten und die Botschaft ist klar… Unsere Schätze bedeuten uns nicht, ihr könnte sie nehmen, doch unsere Stadt und unsere Freiheit müsst ihr euch teuer erkämpfen…

Als ich weggehe, meine Position am Tor zu beziehen, komme ich mir vor als bewege ich mich auf einem Planeten, der von der Hand eines Dämonen plötzlich aus der Bahn gerissen und im Aberwitz ins Unbekannte geschleudert wird.

Die Stunden vor der Schlacht, oftmals in Liedern besungen, heroisch, mit Frohmut… doch hier ist kein Frohmut, nur Angst, die Angst vor dem Feind, die Angst seine Pflicht nicht zu erfüllen, die Angst zu sterben…

Angst ist überall zu dieser Stunde, doch Angst schweißt zusammen. Ich befehlige einen Haufen von zwanzig Männer, alle stark und kampferprobt, und besetze den östlichen Turm der ersten Verteidigungslinie, vor uns die der Wald von Elwynn, hinter uns das Tal der Helden… Helden, hier will keiner ein Held sein, denn Helden leben kurz und sterben früh… wir wollen hier alle Leben, in Frieden und Wohlstand, und um das zu Verteidigen sind wir bereit zu sterben…

Als die Antwort auf das Ultimatum den Feind erreichte löschte er sofort alle Lagerfeuer, keinen Blick auf seine Lager ist zu erhaschen, doch ein dumpfer Lärm dringt an die Tore und Türme Sturmwinds, Vorbereitungen… der Angriff kann jeden Moment losgehen, oder vielleicht auch nicht… Ungewissheit ist der Kern der Angst, und sie befällt uns, einzig und alleine triviale Gespräche halten uns vom Wahnsinn ab… Ich teile meine Leute zum Wachdienst ein, einige könnten schlafen, doch daran denkt in dieser Stunde niemand, gespannt starren wir in die dunkle Nacht, so dunkel wie man sich das Böse selbst vorstellt, keine Sterne am Himmel, kein Mondlicht durchdringt den Wolkenschleier, ein jedes Geräusch lässt mich hochschrecken…

Ich begebe mich auf den Turm, nicke dem Wachhabenden kurz zu und wende meinen Blick über das Tal der Helden Richtung meiner Stadt, dort stehen sie bereit, die Soldaten Sturmwinds, eingeteilt in strenger militärischer Ordnung, halten Wache und erwarten den Ansturm, niemand schläft. An den Tod, der auf viele von ihnen wartet, denke sie alle. Im Grunde denken sie an nichts anderes, aber es wäre ungehörig, unverblümt davon zu sprechen. Allenfalls eine Anspielung ist erlaubt, trotz der Beklemmung, der feuchten Hände und dem seltsam sauren Geschmack im Mund. Darin besteht der eigentliche Mut eines Kriegers, dass sie ihre Angst nicht zeigen.

Die Nacht schreitet langsam vorwärts... ein jedes Geräusch wird verfolgt, wachsam und ohne Müdigkeit… Ich kann mich nicht ruhig irgendwo hinsetzen, ich gehe die Reihen meiner Männer ab, nicke ihnen Zuversichtlich zu, klopfe ihnen auf die Schulter, kontrolliere meine Rüstung und meine Waffen…

Ich stelle mich wieder auf den Turm, gegen die Zinnen gebeugt Blicke ich in die Dunkelheit, meine Gedanken wandern fern der Dunkelheit hinweg… zum ersten Mal in meinem Leben bin ich glücklich niemanden an mein Herz gelassen zu haben, denn niemanden gibt es der um mich trauern wird wenn ich falle, niemanden den ich alleine zurücklasse wenn das wohl unabwendbare passiert. In meinen Gedanken stelle ich mir vor wie ein Schwert meinen Leib durchbohrt und alle Ungewissheit von mir fällt, das Schicksal sich offenbart, keine Angst oder Sorge mich leitet, ich endlich frei sein werde…

Die Laute eines Uhus reißen mich aus meinen Gedanken, und die Dunkelheit umschließt mein Herz erneut, instinktiv greife ich zu meinem Schwert, denn es ist das einzige das zwischen mir und meinem Tod stehen kann…
Mavina
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Beitrag von Mavina »

Sturm…

Wie das tosen eines Gewitters kommen die Feinde über uns, die Nacht ist beinahe vorbei, die ersten Sonnenstrahlen erscheinen am Horizont als der Feind zum Angriff ansetzt, Fanfaren begleiten seine dunklen Krieger und die Fahnen der Gegner flattern im Morgenwind… Pfeile schwirren über unsere Köpfe hinweg, und so mancher unachtsame Krieger, der sein Schild nicht rechtzeitig heben kann, fällt in diesen ersten Minuten des Kampfes, doch um sie kümmert sich niemand. Schwere Steine krachen gegen die Mauern, die Türme wanken aber fallen nicht, aus gutem Stein, mit viel Wissen wurden sie errichtet, sie halten… doch wie lange?

Das Tor wird schwer getroffen, doch auch es ist noch nicht zu bersten bereit, es hält, dahinter in quälender Sorge die Verteidiger die, dicht aneinander gedrängt den Sturm erwarten. Die Edlen werden von den Fanfaren zusammengerufen, ich schärfe meinen Leuten noch mal ihre Pflichten ein und begebe mich zum König, in die zweite Verteidigungslinie. Als alle eingetroffen sind werden die Pläne kurz und prägnant ausgegeben… Der Feind wird nicht in der eigenen Mauer erwartet, wir greifen an…

Auf dem Weg zu meinen Männern öffne ich das Siegel der Pläne… mein Herz erzittert als ich lese das ich in der vordersten Linie stehen werde, den Angriff vorantreiben soll und die Leute mitreißen soll… Das Zittern vergeht aber bald, denn nun ist es gewiss, ich erwarte nicht zu überleben, und meine Männer sehen diese Erwartungen in meinen Augen als ich unsere Befehle verlese, auch sie verzagen im ersten Moment, aber dann schöpfen sie Zuversicht, denn die Gewissheit sterben zu müssen erfüllt ihr Herz, und statt Furcht fassen sie Mut…

Wir gehen in unsere Ausgangsstellung, warten dass das Tor geöffnet wird, wir uns der Flut anschließen werden die dann gegen den Feind anrennen wird… Der Krach ist nicht mehr ganz so ohrenbetäubend als die Tore geöffnet werden, sie sind nicht geberstet, und wir hoffen den Feind überraschen zu können. Die Edlen und Soldaten stürzen vor, um ihre Leute mitzureißen, die über die ersten Gefallenen vor die Stadt hinaus müssen, auf das offene Niemandsland, welches ihnen nicht vertraut vorkommt, sondern schaurig und unendlich groß und weit. Pfeile schwirren um unsere Köpfe und die Schreie der Gefallenen gehen im Kampflärm unter. Ich erlaubte mir einen kurzen Blick zur Seite und sehe wie ein Pfeil den Helm eines Waffenbruders durchdringt, wie er zu Boden sackt, liegen bleibt, niedergetrampelt wird, stirbt… Sofort blicke ich wieder nach vorne und verdränge die Gedanken, denn wir nähern uns dem Waldrand und die ersten schwarz gekleideten Feinde türmen sich vor uns auf…

Der Kampf entbrennt, Mann gegen Mann, Wesen gegen Wesen, ohne Gnade, ohne Rücksicht, Schwert gegen Schwert, Spieß gegen Spieß, die Schmerzenschrei der Verletzten gehen im Kampflärm unter, ich warte in einem Meer von Blut, kämpfe mich vor, stoße mein Schwert in alles was sich mir in den Weg stellt und ich werde auch getroffen, mein Schild zersplittert, meine Hand gebrochen, mein Oberschenkel von einem Pfeil durchbohrt, doch Schmerz spüre ich nicht, ich stürme vor, denn dorthin führt mich mein Schicksal, mit dem ich mich innerlich schon abgefunden habe… Wild um mich schlagend, Befehle in die Nacht brüllend dringen wir in die feindlichen Linien ein, aber sie enden nie, Welle um Welle wirft sich uns entgegen und links und rechts fallen wir wie die Fliegen, ein jeder Meter hart erkämpft, mit Blut und Tod.
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